Archivierte Berichte

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Natura 2000 - was will der Landkreis wirklich?

Nun haben wir es schwarz auf weiß zu lesen bekommen, die CZ titelte einen Artikel zum Thema über die Einrichtung eines Naturschutzgebietes in Winsen entlang der Aller mit der Überschrift „Schützenfest durchaus möglich“. Diese Aussage des Landkreises Celle wurde dann im Text noch untermauert mit „So sind die bisherigen Veranstaltungen wie das Winser Schützenfest im FFH-Gebiet nach der bisherigen Planung durchaus genehmigungsfähig“.

Auch wenn der Landkreis Celle hier versucht, die in der Winser Informationsveranstaltung am 06. September vom Landvolk Celle, unseren Gemeindemitarbeitern und mir gemachten Aussagen (der Landkreis Celle bezeichnet diese als „unzutreffende Behauptungen und Vermutungen um öffentlich Stimmung zu erzeugen“) zu entkräften, so wird das Gegenteil ganz offensichtlich, denn alles ist im Konjunktiv formuliert; alles wäre möglich, könnte genehmigt werden, dürfte machbar sein. Nur worauf der Landkreis Celle diese Möglichkeiten in dem geplanten Naturschutzgebiet begründen will, das hat er noch nicht verraten bzw. weiß es wohl auch selbst noch nicht. Zumindest lässt das Gesetz da wenig Spielraum:

Ganz ehrlich, das ist mir alles zu vage und so bleibe ich auch weiter bei meiner Aussage, dass ich dieses vom Landkreis Celle geplante Naturschutzgebiet als Bedrohung für unsere Gemeinde empfinde. Ich denke nicht, dass ich unseren Bürgerinnen und Bürgern als ihr Bürgermeister guten Gewissens empfehlen kann, hier ruhig zu bleiben und sich in volle Abhängigkeit des Landkreises Celle zu begeben, denn die Folge wäre, dass erst einmal alles verboten wird und wir dann um jede Ausnahmegenehmigung betteln müssen, wobei längst nicht klar ist, dass unseren Anträgen dann auch stattgegeben wird bzw. dass diese auf dem Klageweg durch einzelne Bürger (z. B. Schützenfestgegner) dann widerrufen werden müssen. Auch wenn der Landrat meint, dass seine Behörde ausgewogene Vorschläge unterbreitet, so komme ich doch nicht umhin zu bemerken, dass uns hier der reale Irrsinn präsentiert wird. Ein Beispiel:

Die Fläche in denen sich die Buchstaben A, B und D befinden, ist eine in der Gemeinde Winsen befindliche Wiese. Innerhalb dieser umzäunten Wiese befinden sich die mit den Buchstaben kenntlich gemachten Lebensraumtypen. Diese besagen u. a., wann der Landwirt die Fläche mähen darf, wieviel Dünger er dort aufbringen darf und wieviel Stück Vieh dort weiden dürfen. Natürlich alles unterschiedlich festgelegt, was zum Einen bedeutet, dass der Landwirt sich strafbar macht, wenn er sich nicht strikt an die Vorgaben hält, die in diesen für ihn nicht sichtbaren abgegrenzten Gebieten gelten und dass die Vorgaben zum Anderen eine wirtschaftliche Bearbeitung der Wiese unmöglich machen. Dieses den Landwirten als Vorteil zu verkaufen mutet schon als Frechheit an (Zitat CZ-Artikel. „Für die Landwirte ist ein Naturschutzgebiet zudem von Vorteil, weil es dann einen Erschwernisausgleich gibt, also einen Zuschuss“, ergänzt Harmening. „Das Ziel ist nicht etwa die Verdrängung der Landwirtschaft, da viele der wertvollen Flächen auf eine menschliche Nutzung angewiesen sind.“ Dennoch seien klare Regeln für die Nutzung unbedingt erforderlich.“).

Demnach scheint nicht nur die Gemeindeverwaltung in Winsen sondern auch das Landvolk Celle, die Vertretung der Landwirte im Celler Land, zu dumm zu sein, die guten Absichten des Landkreises Celle zu erkennen, denn ebenso wie wir hat sich auch das Landvolk Celle vehement gegen die Pläne zur Errichtung eines Naturschutzgebietes  gestellt, u. a. auch deshalb, weil die Zahlung eines Erschwernisausgleiches nicht garantiert werden kann. Die Auflagen, die ein Naturschutzgebiet für die Landwirtschaft mit sich bringen, führen dazu, dass diese Flächen aufgrund von Unwirtschaftlichkeit größtenteils nicht mehr bearbeitet werden. Die Folgen hieraus hat der BUND-Vorsitzende (Kreisgruppe Celle) Heinrich Lammers in der Informationsveranstaltung am 6. September sehr eindringlich geschildert: „Auf den Flächen, die der Landkreis Celle z. B. im Bannetzer Moor mit Naturschutz belegt hat und die darum jetzt nicht mehr bewirtschaftet werden, ist ein massives Artensterben zu beobachten, während auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen die Rückkehr vieler bedrohter Arten aus Fauna und Flora zu verzeichnen ist.“ Auch er als einer der angesehensten Naturschützer in dieser Region rät daher dringend von den Plänen des Landkreises Celle ab.

Warum der Landkreis Celle sich gegen bisherige Gesprächsangebote unsererseits so sträubt und jegliche Zusammenarbeit ablehnt, das bleibt sein Geheimnis. Es kann nur vermutet werden, dass aufgrund der immer knapper werdenden Zeit der Landkreis den Weg des geringsten Arbeitsaufwandes geht (die Beschlüsse im Kreistag müssen bis zum 31.12.2018 gefasst sein), denn mit der Ausweisung eines Naturschutzgebietes, womit erst einmal alles verboten ist, hat er seine Pflicht erfüllt, während er sich bei der von allen Verbänden, Vereinen, Parteien usw. favorisierten Alternative „Landschaftsschutzgebiet“ vor dem Beschluss genau überlegen muss, wie er die einzelnen Dinge regeln will, was wesentlich mehr Zeit in Anspruch nimmt. Das darf aus meiner Sicht aber nicht auf dem Rücken der Bevölkerung ausgetragen werden und so kann ich aus meinen Gesprächen mit der Winser Bevölkerung dem Landkreis auch die Rückmeldung geben: Der Weg des geringsten Zeitaufwands ist nicht der Weg des geringsten Widerstands! Winsen ist nicht gegen den Schutz unserer Natur und fordert darum ein Landschaftsschutzgebiet.

Dirk Oelmann
Bürgermeister