Thören und Bannetze: Alte Baumsorten für den Bienenschutz

Bienen erhalten neuen Lebensraum in Winser Außendörfern: Seit Anfang der Woche schmücken 63 Bäume und Sträucher die Gänsewiese in Thören und ein Teilstück des Bannetzer Sportplatzes. Damit findet ein Projekt seinen erfolgreichen Abschluss, mit dem die Winser Politik einen nachhaltigen Beitrag zum Artenschutz leisten möchte.

Die auf den Flächen angesiedelten Pflanzen werden Insekten über die gesamte Saison hinweg vielfältige Nahrung bieten. Dies ist deshalb von besonderer Bedeutung, da die in der Landwirtschaft verbreiteten Monokulturen andernorts den Lebensraum dieser nützlichen Tiere immer stärker begrenzen.

Am Montag besuchten Winsens Bürgermeister Dirk Oelmann und Benjamin von Ahlen, Fachdienstleister für Gemeindeplanung, die Grundstücke. Bei dieser Gelegenheit führte sie Jürgen Dobewall von der Baumschule BoGart über das Gelände und berichtete über die von seiner Firma durchgeführten Arbeiten.

Dirk Oelmann zeigte sich erfreut von den Anpflanzungen: „In Zukunft werde auch ich hier sicher den einen oder anderen Apfel pflücken. Es ist schön, dass wir den Bienen etwas Gutes tun können. Und es erfüllt mich mit Zufriedenheit, wenn ich sehe, dass die gesamte Winser Politik dieses wichtige Projekt mitgetragen hat. Nun ist zu hoffen, dass unsere Streuobstwiesen viele Bürger dazu motivieren, auf ihren Flächen selbst etwas für den Artenschutz zu unternehmen.“

Da der Boden auf den beiden Arealen sandig und nährstoffarm ist, setzten die Mitarbeiter der Baumschule BoGart die Pflanzen in speziell ausgehobene kleine Gruben ein. Diese füllten sie im Anschluss mit lehmiger Erde, die sich durch ihren Mineralreichtum und die Fähigkeit, Wasser lange zu speichern, auszeichnet. Für die Anpflanzung wählte die mit dem renommierten Bioland-Siegel ausgezeichnete Firma vor allem alte, regionale Obstbaumsorten. Deren Vorteil: Auch Allergiker können ihre Früchte verzehren.

So finden sich nun auf den Wiesen bekannte Apfelsorten wie Boskoop und Holsteiner Cox neben klangvollen Namen wie Goldparmäne, Winterbanane, Finkenwerders Herbstprinz und Altländer Pfannkuchen. Daneben haben Jürgen Dobewall und seine Mitarbeiter aber auch Walnuss-, Kirsch- und Quittenbäume eingesetzt. Ziel war es bei der Anpflanzung, einen plantagenhaften Eindruck zu vermeiden. Deshalb verteilte man die Bäume und Sträucher ohne feste Ordnung auf den Flächen. Indem man sowohl Nieder- als auch Halb- und einige Hochstämme verwendete, sorgte man dafür, dass sich die Gehölze auch in der Höhe unterschiedlich entwickeln werden. Einige der jungen Pflanzen wurden mit Absicht schräg eingesetzt, um ihre Fruchtbarkeit zu erhöhen und ihnen ein natürliches Wachstum zu ermöglichen.

Sollten Kinder diese Bäume in Zukunft einmal zum Klettern nutzen, wäre das ein gern gesehener Nebeneffekt. Überhaupt sind die Bürger herzlich dazu eingeladen, die Streuobstwiesen zu nutzen und ihre Früchte für den Eigengebrauch zu pflücken. In Thören wurde speziell zu diesem Zweck ein Weg über die Gänsewiese gefräst. Die Gemeindeverwaltung bittet lediglich um einen schonenden Umgang mit den Flächen und ihrem Bewuchs.

Mit der Anlage der Streuobstwiesen setzte die Gemeindeverwaltung das Streuobst- und Blühwiesenkonzept um, das der Winser Gemeinderat in einer Sitzung am 27. März 2019 einstimmig verabschiedet hatte. Möglich wurde die Anlage der Streuobstwiesen auch dank der finanziellen Unterstützung durch das Programm zur Förderung der Entwicklung im ländlichen Raum Niedersachsen und Bremen 2014 bis 2020 (PFEIL, Fördermaßnahme LEADER), an dem sich die Europäische Union mit Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) beteiligt.